Werkhof der Stadt Bludenz

„Die Decke ist die bislang weltweit größte Konstruktion dieser Art und liefert wichtige Erkenntnisse, um die Technik weiter zu verbreiten, Material zu sparen und das Klima zu schonen“ Georg Hansemann (TU Graz)

71921 Werkhof Bludenz
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SITUATION
Das schmale Grundstück befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Fabrik Klarenbunn in Bludenz. Die in den Jahren 1884 – 1886 erbaute Baumwollspinnerei verfügt über ein eigenes Kraftwerk, welches durch einen Werkskanal mit Wasser versorgt wird. Südseitig grenzt der knapp 6 Meter hohe Damm des Kanals direkt an den Bauplatz, bevor er als Viadukt in das Fabriksareal mündet.

AUFGABE
Gegenüber dem Baugrundstück liegt der bestehende Bauhof der Stadt Bludenz, dessen zusätzlicher Platzbedarf der Grund für die Standortwahl war. Die Stadt Bludenz und der Grundeigentümer Werit GmbH entwickelten in einer öffentlich–privaten–Partnerschaft (engl. PPP) das Projekt Werkhof Bludenz.

BAUIDEE
Im Raumprogramm wurden rund 600m2 unterschiedlichster Nutzflächen gefordert. Neben Lagerflächen, Rangierflächen und Flächen für die städtische Gärtnerei mussten auch LKW-Garagen untergebracht werden. Die Bauidee, welche dem Projekt zugrunde liegt, ist es, sämtliche Nutzungen sprichwörtlich unter einem Dach zu vereinen. Geschlossene Nutzungen sind in zwei Hallen in Holzbauweise untergebracht, welche durch ein verbindendes Stahlbetondach überspannt werden. Zugleich bietet das Dach auch Schutz für die offenen Lager- und Rangierflächen.
Die skulpturalen Rundbögen sind eine Reminiszenz an den angrenzenden Viadukt des Werkskanals der Klarenbrunnfabrik und zugleich Hauptstatik und formgebendes Element des Gebäudes.
Auf den beiden 46m langen Stützbögen liegt die ca. 700m2 große Decke, welche als Ortbetonkassettendecke errichtet wurde.

KONSTRUKTION
Kassetten- und Rippendecken aus Stahlbeton wurden bereits in den 1960er und 1970er Jahren geplant und errichtet. Sie waren materialsparend und gleichzeitig weithin sichtbare Gestaltungselemente der Architektur. Heutige Geschossbauten haben dagegen meist Flachdecken mit konstantem Querschnitt, da der erhöhter Schalungsaufwand im Vergleich zu den eingesparten Materialkosten nicht mehr wirtschaftlich erscheint. Durch Ressourcenknappheit und durch die geltende CO2-Besteuerung ändert sich diese Praxis zusehends.
Am Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz (Georg Hansemann, Institut für Tragwerksentwurf ITE) wurde eine Konstruktionsweise mittels 3D-gedruckten Schalungskörpern entwickelt um filigrane Rippendecken wirtschaftlich umzusetzen. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro gbd aus Dornbirn und unter wissenschaftlicher Begleitung der TU Graz wird diese innovative Methode des Betonleichtbaues umgesetzt.

3D-gedruckte Schalungselemente aus Beton, die als verlorene Schalung dienen werden mit konventionellen Betoniermethoden ergänzt. Die Schalungskörper werden dem Kräfteverlauf folgend auf der Schalung angeordnet und lassen diesen sichtbar werden. Zwischen den Aussparungskörpern werden vorgebogene Bewehrungseisen platziert. Durch diese Methode kann gegenüber einer konventionellen Flachdecke ca. 35% an Material und Energie eingespart werden. 
Diese Decke ist bisher die weltweit größte Konstruktion dieser Art.

  • AuftraggeberWerit Handels GmbH
  • OrtBludenz / Österreich
  • Fertigstellung2023
  • TeamMarcus Ender, Ursula Ender, Nathalie Haspel
  • PartnerGU Tomaselli Gabriel Bau, Nüziders | Institut für Tragwerkslehre, TU Graz | Ingenieurbüro gbd, Dornbirn
  • FotografieHanno Mackowitz & AE