Siedlung in der Halde
Sanierung eines Klassikers der Vlbg. Architekturgeschichte

Die Siedlung in Bludenz war 1964 die progressive Antwort auf ein Problem, das bis heute aktuell ist:
Die Landschaft verschwindet unter einem Teppich von Einfamilienhäusern, obwohl Grund und das Bauen selbst teuer sind. Schon damals hatte der Architekturkritiker Friedrich Achleitner die Zersiedelung beklagt. Für den Bludenzer Franz Bertel gab er den Anstoß mit einer Gruppe Gleichgesinnter neu, verdichtet und gemeinschaftlich zu bauen. Nach den Plänen von Hans Purin entstanden neun schlanke Reihenhäuser als ganz eigener Typus mit einer Rasterbreite von nur 5,20 m.

60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz
60015 Haus Ender Bludenz

Seither wurde im Laufe der Jahre die eine oder andere Adaption und Erneuerung durchgeführt, zumeist aber ohne Eingriffe ins Wesentliche.
In jüngster Zeit fanden vermehrt Übergaben und auch Verkäufe statt, die nun Revitalisierungen nach sich ziehen.

Dieses Haus stand zwar noch nicht unter Denkmalschutz, die Umsetzung ihrer Revitalisierung fand aber große Zustimmung und wäre unter Schutz nicht anders ausgeführt worden. Marcus Ender scheute sich nicht, dieser Perle wieder alten Glanz zu verleihen und zugleich die Fassung nach seinen Wünschen zu erneuern. Es gibt eine Bandbreite von Maßnahmen, mit denen man zeitgenössische Standards und Komfort einfließen lassen kann, ohne der intelligenten und starken Grundidee eines Hauses Gewalt anzutun, sei es nun denkmalgeschützt oder nicht.

Das Haus wurde sorgsam von einzelnen Ergänzungen befreit, die Holzkonstruktion abgeschliffen und neu im alten Farbton lasiert. Die erhaltenen Stellen der ursprünglich nur mit Kalkfarbe weiß geschlämmten Wand aus Betonschalungssteinen wurden belassen. Man sieht die Fugenteilung noch und spürt den Handstrich des Verputzers. Die Fenster wurden den ursprünglichen Proportionen folgend neu hergestellt und dabei einzelne Veränderungen wieder rückgeführt. Nur die Öffnungsflügel setzen sich mit sichtbarem Eichenholz deutlich von den schwarzen Rahmen ab. Auch die ursprünglich hellen Treppenstufen und das stark abgenutzte Buchenparkett hat er durch geräucherte Eiche ersetzt.

Die Wasser- und Elektroinstallationen wurden vollständig erneuert. Die Leitungen wurden aber nicht in der Wand geführt, sondern in sorgfältig geplanten Kanälen, die hinter Schränken verschwinden und im neuen Fußboden zu den Lichtauslässen geführt werden. Auch die Küche wurde erneuert. Es wurde bewusst auf Hoch- und Oberschränke verzichtet, die Arbeitsplatte angehoben und etwas mehr Lager und Kühlraum im Keller vorgesehen. Ein Akzent wurde durch die Arbeitsplatte und die Fußböden am Treppenpodest gesetzt. Handverlesener Rheinkies wurde vor Ort – für die Küche im Werk – zu einem dunklen Kunststein verarbeitet, der matt geschliffen wurde.

Mit einem wirkungsvollen Eingriff wurde das Bad erneuert. Durch die Verbindung mit dem ursprünglich abgetrennten WC wird moderne Geräumigkeit erzielt. Drei Spiegel können über das schmale Bandfenster geschoben werden und geben dem Raum luxuriöse Großzügigkeit.

Man fühlt im neuen, alten Haus die Klugheit und die Intentionen des Purin’schen Entwurfs, die Textur und Proportionen des Originals, kann aber dennoch den Wunsch der Bauleute nach Modernität und modernen Oberflächen nachvollziehen.
Die Kontraste wurden gemildert durch sanft grau getönte Wände und das lebendigere Dunkelbraun der Balken. Auch der subtile Blauton der Treppenwand zieht sich durchs Haus.

Bei einer solchen Revitalisierung muss die Auswahl der Möbel gezielt erfolgen: Wer bedenkenlos eine riesige Couch in diese feingliedrigen Raumfolgen stellt, wird bald das Missverhältnis und Enge spüren.
Hervorragend integriert wurden neue Einbaumöbel in den Schlafräumen, die mit tiefmattem Schwarz sich ganz zurücknehmen und dem originalen Gleichklang aus Konstruktion, Proportion und Ausblick den Vortritt lassen. Das ist ein neuer Atem, ein neuer Saum, der eingezogen wurde.
Ein Dialog zwischen Original und der Identität der Bauherren baut sich auf.
Andere Revitalisierungen suchen mehr den Charme der Erbauungsjahre, doch diese ist eine stimmige Variation, wie sie Hans Purin selbst in seinen eigenen Sanierungen praktizierte.

Präzise am Original und zeitlos in seinen Aktualisierungen, denn seine besten Bauten waren oft gebaute Meditationen über die Frage: Was braucht es wirklich?

Text: Robert Fabach

  • AuftraggeberPrivat
  • OrtBludenz / Österreich
  • Fertigstellung2016
  • TeamMarcus Ender, Sylvia Ender
  • FotografiePetra Rainer