Campus Bings
Wettbewerb 2. Platz

Der Auslober stellt für den Zubau des Campus Bings eine Baufläche zur Verfügung, die vierseitig von Verkehrsflächen umgeben ist. Laut Verkehrsplaner soll ein Einbahnring um das künftige Gebäude geplant werden, der Zu- und Abfahrt ermöglicht. Trotzdem soll sich der Platz zwischen Kirche, Volksschule und Kindergarten laut Auslober zu einem vielfältig nutzbaren Platz entwickeln.
Der vorliegende Entwurf reagiert auf diese Situation mit einem Volumen, das von den ca. 400 m2 bestehender Parkfläche nur rund 190 m2 im Erdgeschoss bebaut. Die verbleibende Freifläche wird dem Platz zwischen bestehender Schule und Kirche zugewiesen, der dadurch stark an Qualität gewinnt und zum „Dorfplatz“ wird. Rund 80m2 davon werden durch das Obergeschoss überdacht und stehen Kindern, Schülern und Kirchgängern als „Loggia“ zur Verfügung. Zudem wird die bestehende Kastanie erhalten und als wichtiges Element in den Entwurf aufgenommen.

68419 WBW Campus Bings
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G E B Ä U D E S T R U K T U R
Die Struktur des Gebäudes folgt diesen beiden formgebenden Maßgaben und fügt sich in seiner Erscheinung als schlichter Solitär in das Umfeld.
Ebenerdig werden die Ausspeisung und der Bewegungsraum angeboten, welche somit neben den Volksschülern auch von externen Besuchern verwendet werden könnten. Das vorgelagerte, großzügige Vordach ermöglicht neben der Nutzung als Pausenplatz und Mittagsbetreuung auch das witterungsgeschützte veranstalten von kleinen Märkten, Feiern und Agapen nach dem Kirchgang.
Die Gruppenräume für Kinder und Kleinkinder im Obergeschoss sind mitten in die Baumkrone der Kastanie ausgerichtet.
Eine vorgelagerte Loggia, die durch den Baum begrenzt wird, lädt ein, den Baum im Wechsel der Jahreszeiten zu erleben.
Das Gebäude wird über einen Garderobenbereich erschlossen, der durch eine großzügige Dachöffnung und eine Galerie im Obergeschoss belichtet wird. Der Lift ist bewusst seitlich der zentralen Erschließung angeordnet. Dadurch wird die Stiege, mit ihrer attraktiven Nordbelichtung bewusster wahr- und angenommen.

F R E I R A U M
Die Zufahrt folgt den Vorgaben des Verkehrsplaners, Autos sollen aber nur im äußersten Notfall (Rettung, Feuerwehr) bis zu den Eingängen der Schule und des Kindergartens vorfahren. Drei „Kiss & Ride“ Plätze an der L97 sollen die Verkehrsbelastung von Norden abfangen. Zusätzliche werden Parkplätze im Süden des Areals beim Zunfthaus angeboten. Von dort aus führt ein Spaziergang (ca. 140 m) zum Campus. Der Schulplatz selbst soll in seiner differenzierten Belagswahl, Möblierung und Gestaltung Besucher subtil hemmen, ihn zu befahren.
Es werden dadurch Zonen geschaffen, die das Spielen, Entdecken und Forschen unterstützen sollen.

E R S C H E I N U N G   &   M A T E R I A L I S I E R U N G
Im Kontext der Bestandsbauten mit grobkörnigen Putzfassaden und steilen Satteldächern tritt der Neubau als Pavillon in Erscheinung. Die geschlossenen Flächen des Sockels nehmen mit ihrem zementgrauen Rieselwurf Anleihen am Umfeld.
Das holzverkleidete Obergeschoss wirkt als schwebender Aufsatz, der durch jeweils ein präzise gesetztes Fenster pro Himmelsrichtung rhythmisiert wird.
Das Gebäude ist als Mischbau aus Holz und aussteifenden Betonwänden geplant. Die vorgefertigten Wand und Deckenelemente aus Holz erfüllen die ökologischen Anforderungen und die Nachhaltigkeit. Betonbauteile erhöhen die Speichermasse und erhöhen den Schallschutz.

E N E R G I E & W I R T S C H A F T L I C H K E I T
Die Räume sollen durch eine natürliche Be- und Entlüftung temperiert werden. Die inneren Betonscheiben und die massive Bodenplatte verschieben die Kühllastspitzen in die Abendstunden.
Motorisch gesteuerte Lüftungsklappen im vordach-geschützten Nordfenster, im Dachoberlicht und in der Erschließung sorgen für sommerliche Nachtabkühlung.  Die Kastanie mit ihrem dichten Blattwerk schützt die Gruppenräume vor zu hoher solarer Einstrahlung. Die restlichen Fenster sind mit außenliegender Verschattung ausgestattet.
Je nach budgetierten Mitteln sollte eine gemeinsame Energiegewinnung zur Heizlastabdeckung für den gesamten Campus angestrebt werden. Zur Abdeckung der Heizlast wird Erdwärme vorgeschlagen, eine auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage deckt den Energiebedarf des Hauses.

  • AuftraggeberStadt Bludenz
  • OrtBludenz - Bings
  • Wettbewerb2019
  • TeamUrsula Ender, Cornelia Vonbun, Marcus Ender
  • FotografieAE | Architektur